Glückliche Erfahrung mit Zirbenbett

Ein Zirbenbett soll die Herzfrequenz reduzieren, den Schlaf erholsamer machen, das Raumklima generell verbessern. Gesünder sein, ohne auch nur einen Finger zu rühren? Das klingt zu gut, aber erklärt den anhaltenden Hype um das Holz von der Zirbelkiefer. „Es ist das erste Mal, dass ich so einen Boom bei einer Holzart sehe“, sagt Erik van Herwijnen vom Kompetenzzentrum Holz Wood K plus in Linz.

Wie jeder Boom macht auch dieser seine Produkte teurer. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Preis von Zirbenholz fast verdreifacht. Ein Festmeter Zirbenholz kommt heute auf knapp unter 300 Euro, 2003 lag dieser noch bei knapp über 100 Euro. Zum Vergleich: Ein Festmeter Fichtenholz der gleichen Qualität kostete im Dezember 2015 in Tirol laut Simon Holzknecht von proHolz Tirol 87 Euro. „Der Preis der normalen Kiefer liegt noch tiefer. Weil sie nicht nachgefragt wird.“

Das trifft auf die Zirbelkiefer nicht zu. Ihr Vorkommen gilt als selten, sie ist nur im Alpenraum ab einer gewissen Höhe beheimatet. Sie wächst ein bisschen langsamer als andere Baumarten, aber teurer in der Produktion oder komplizierter ist die Zirbe nicht. Was also rechtfertigt den höheren Preis? Die ihr zugeschriebenen Eigenschaften? Eine Studie von Joanneum Research 2003 zeigt, dass der Schlaf in einem Zirbenbett erholsamer ist und die Herzfrequenz reduziert. Kritiker der Studie entgegnen, die Versuchsgruppe war mit 15 Probanden zu klein und die Studie wurde nicht mit einer anderen Holzart wiederholt.

Simon Holzknechts Meinung: „Vermutlich sind die Inhaltsstoffe für die Ergebnisse verantwortlich. Aber Folgestudien wären wünschenswert.“ Van Herwijnen sieht es ähnlich: „Ob es an dem Geruch liegt oder ob sich Menschen in der Nähe von Holz generell wohler fühlen, weil es ein besseres Raumklima schafft, es Schall dämmt, etc. – Holz hat viele positive Wirkungen, das zeigen viele Studien. Diese eine Studie ist völlig in Ordnung, aber ihr wird zu viel Bedeutung beigemessen.“

Zirben-Start-ups

Interessant ist laut van Herwijnen, dass hinter diesem Hype kein großes Unternehmen mit riesigem Marketingbudget steckt. „Hier sind es viele kleine Unternehmen, die alle das gleiche kommunizieren.“

Eines dieser kleinen Unternehmen ist Bennis Nest von Nicole und Stephan Pröll. Bennis Nest ist ein Körbchen, in dem Babys bis zum Alter von sechs Monaten liegen können. Danach kann es als Kiste oder Sitzmöbel verwendet werden. Entstanden ist es aus der eigenen Not heraus. Ihr zweiter Sohn war eine Frühgeburt. „Benni war oft unruhig und schlief schlecht. Meine Mutter gab mir den Tipp, ihn in eine Holzschublade zu legen. Auf einmal war er ruhig“, erzählt Nicole Pröll. Sie recherchierte und ließ, nachdem die Schublade zu klein wurde, ein Holzbettchen aus Zirbe für Benni anfertigen. Daraus entstand vor zwei Jahren das heutige Geschäft. 580 Euro kostet eines der designschönen Nester. Zu teuer? „Das Zirbenholz stammt aus Österreich und ein Tischler im Waldviertel fertigt Bennis Nest an, der Loden stammt aus der Steiermark. Alles ist sehr familiär. Wir haben keine riesige Gewinnspanne auf den Betten“, sagt Pröll. Als nächstes wollen sie auf dem deutschen Markt Fuß fassen.

Die Chancen stehen gut. Denn Möbel aus Zirbenholz sind auch in Deutschland gefragt. Holzknecht vermutet, dass Deutsche Zirbenmöbel bei ihren Urlauben in Österreich – „die Tourismusindustrie ist auf den Zirbentrend aufgesprungen“ – schätzen lernen und das Erlebnis auch bei sich zu Hause wollen.

Christian Leidinger liefert seine Betten aus Zirbenholz bereits nach Deutschland und bis in die Niederlande. 2005 übernahm er die väterliche Tischlerei und baute sie zum größten zirbenholzverarbeitenden Betrieb Vorarlbergs aus. Rund 1000 seiner speziellen Betten hat er seither verkauft und vergangenes Jahr mit seinem Start-up „Die Koje“ den Futurezone Award bekommen. Innovation macht eben vor Holz nicht halt: Innerhalb von 60 Sekunden kann das Bett dank patentierter Eckverbindung zusammengebaut werden. Leidinger verarbeitet dafür ausschließlich Holz aus Tirol und produziert in Österreich. Sein Ansatz: „Mir geht es um Nachhaltigkeit und Natürlichkeit. Je mehr Natur in einem Produkt ist, desto wohler fühle ich mich. Dazu brauche ich keine Studie.“